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Aktivrente startet mit 2.000 Euro steuerfreiem Zusatzeinkommen

28.12.2025 - 22:00:12

Ab Neujahr können Rentner in Deutschland bis zu 2.000 Euro monatlich steuerfrei hinzuverdienen. Die sogenannte Aktivrente soll dem akuten Fachkräftemangel entgegenwirken, doch Experten sind skeptisch – und warnen vor rechtlichen Fallstricken.

Mit nur vier Tagen bis zum Inkrafttreten am 1. Januar 2026 wird die letzte große arbeitsmarktpolitische Neuerung der Legislaturperiode kontrovers diskutiert. Der Bundesrat gab Mitte Dezember grünes Licht für das Vorhaben, das erfahrene Berufstätige zum Verbleib im Job motivieren soll. Doch reicht der finanzielle Anreiz, um die demografische Lücke zu schließen?

Herzstück der Neuregelung ist eine gezielte Steuerfreistellung für alle, die die Regelaltersgrenze erreicht haben. Die ersten 2.000 Euro monatlich aus Erwerbstätigkeit bleiben künftig von der Einkommensteuer befreit – das sind 24.000 Euro im Jahr. Wichtig: Die Befreiung gilt nur für aktive Arbeitseinkünfte, nicht für die Rente selbst oder Kapitalerträge.

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Doch der Begriff “steuerfrei” trügt etwas. Wie eine detaillierte Aufstellung vom 25. Dezember klarmacht, fallen zwar keine Steuern an, wohl aber Sozialabgaben. Bei 2.000 Euro Brutto bleiben etwa 207 Euro für Kranken- und Pflegeversicherung fällig. Netto verbleiben somit rund 1.793 Euro.

Der entscheidende Vorteil: Da keine Beiträge für Arbeitslosen- und Rentenversicherung anfallen, ist die Nettoquote deutlich höher als bei normalen Arbeitnehmern. Die weiterlaufende Krankenversicherungspflicht stabilisiert hingegen die Sozialsysteme. Experten raten Rentnern zur individuellen Berechnung, denn der genaue Vorteil hängt vom jeweiligen Krankenkassenstatus ab.

Wirtschaftsrat fordert grundlegendere Reformen

Trotz des baldigen Starts bewertet der Wirtschaftsrat der CDU die Aktivrente in einer Stellungnahme vom 28. Dezember lediglich als ersten Schritt. Die demografischen Herausforderungen erforderten grundlegendere strukturelle Anpassungen.

Das Gremium argumentiert, die Maßnahme adressiere nicht das grundlegende Ungleichgewicht zwischen Einzahlern und Leistungsbeziehern im Rentensystem. Es wiederholt seine Forderung, das Renteneintrittsalter an die steigende Lebenserwartung zu koppeln – ein nach wie vor umstrittener Vorschlag.

Die Position deutet an, dass konservative Kreise die Aktivrente als Brücke zu umfassenderen Arbeitsmarktreformen sehen. Der Erfolg der Maßnahme dürfte zum Lackmustest für künftige Vorhaben werden, die das Arbeitsleben verlängern sollen.

Experten kritisieren Ineffizienz und Ungleichbehandlung

Während die Wirtschaft auf Erweiterung drängt, äußern führende Ökonomen massive Zweifel an der Effizienz. Monika Schnitzer, Vorsitzende der Wirtschaftsweisen, warnte bereits am 24. Dezember vor erheblichen Mitnahmeeffekten.

Ihre Analyse legt nahe: Viele Rentner, die ohnehin weitergearbeitet hätten, erhalten nun staatliche Subventionen. Der Fiskus verliere Steuereinnahmen, ohne zwingend neue Arbeitsstunden zu mobilisieren. Der Staat subventioniere so bestehende Beschäftigungsverhältnisse, statt brachliegende Arbeitskraftreserven zu aktivieren.

Zudem ortet Schnitzer eine rechtliche Schwachstelle: Der Ausschluss Selbstständiger von der Steuerbefreiung könnte verfassungsrechtliche Bedenken zur Gleichbehandlung aufwerfen. Die Ökonomin rechnet mit Klagen kurz nach Inkrafttreten, die eine gerichtliche Überprüfung oder gesetzliche Nachbesserung erzwingen könnten.

Unternehmen sehen Chance für Wissenstransfer

Für die Privatwirtschaft bedeutet die Aktivrente eine strategische Chance, erfahrene Kräfte zu halten. Personalabteilungen passen derzeit ihre Gehaltssysteme an, um die neue Steuerregel ab Januar umzusetzen.

Branchenverbände unterstützen den Schritt größtenteils, besonders in Bereichen mit akutem Fachkräftemangel. In Ingenieurwesen, Gesundheitswesen und spezialisierten Handwerken hinterlässt der Renteneintritt der Babyboomer Wissenslücken, die jüngere Generationen nicht sofort füllen können. Die steuerbegünstigte Beschäftigung von Meistern oder Senior Engineers – auch in Teilzeit – soll diesen Übergang erleichtern.

Unternehmensvertreter betonen jedoch: Der finanzielle Anreiz ist nur ein Puzzleteil. Ebenso wichtig seien flexible Arbeitszeiten, altersgerechte Arbeitsplatzgestaltung und reduzierte körperliche Belastungen. Der Erfolg der Aktivrente hängt maßgeblich davon ab, wie gut Firmen diese Steuervorteile in umfassende Personalstrategien integrieren.

Erste Bilanz im Frühjahr 2026

Ab Neujahr beginnt die Testphase. Die Regierung hat eine Monitoring-Phase vereinbart, um die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt zu bewerten. Entscheidende Kennzahlen werden die Zahl der zurückkehrenden Rentner und deren durchschnittliche Arbeitszeit sein.

Bewährt sich die Maßnahme, könnte die steuerfreie Grenze angehoben oder auf andere Gruppen ausgeweitet werden. Gewinnen jedoch die Klagen von Freiberuflern an Fahrt, müsste die Politik möglicherweise früher nachbessern als geplant.

Für Millionen deutsche Rentner beginnt eine neue finanzielle Realität. Die Entscheidung, länger zu arbeiten, wird ab nächster Woche weniger eine Frage der Gemeinwohlorientierung sein – sondern des handfesten finanziellen Vorteils. Ob das die deutsche Rente nachhaltig verändern wird, zeigt sich im kommenden Quartal.

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