Aktivrente: So nutzen Unternehmen die neue Steuerfreiheit
07.01.2026 - 02:13:12Die neue „Aktivrente“ ist da – und Personalabteilungen in ganz Deutschland schärfen ihre Strategien. Seit dem 1. Januar 2026 können Rentner steuerfrei bis zu 2000 Euro im Monat hinzuverdienen. Für Firmen wird das zum entscheidenden Instrument im Kampf um erfahrene Fachkräfte.
Steuerfreier Zuverdienst als Gamechanger
Das Kernstück der Reform ist die steuerfreie Grenze von 24.000 Euro jährlich. Dieses Einkommen unterliegt nicht dem Progressionsvorbehalt und erhöht somit nicht den Steuersatz auf die gesetzliche Rente. Für Arbeitgeber entfällt zwar der Arbeitnehmeranteil an Sozialversicherungen, die Pflichtbeiträge der Firma bleiben jedoch bestehen. Das Ergebnis: Rentner haben mehr Netto vom Brutto, ohne dass die Personalkosten für das Unternehmen steigen. Ein klarer finanzieller Anreiz, den Ruhestand hinauszuzögern oder sogar zurückzukehren.
Strategien gegen den Fachkräftemangel
Die „Baby Boomer“ gehen in Rente und nehmen wertvolles Erfahrungswissen mit. Die „Aktivrente“ soll diesen Brain-Drain stoppen, indem sie den „Unruhestand“ attraktiv macht. Personalverantwortliche entwickeln bereits konkrete Modelle:
* Wissenstransfer als Projekt: Ehemalige Experten werden als Berater auf Projektbasis zurückgeholt, um jüngere Kollegen einzuarbeiten – alles innerhalb der steuerfreien Grenze.
* Flexible Springer-Pools: Firmen bilden interne Pools aus rentenberechtigten Mitarbeitern, die bei Personalengpässen oder Urlaubsvertretungen einspringen.
* Reduzierte Stundendeputate: Langjährige Vollzeitkräfte wechseln auf 15- bis 20-Stunden-Verträge, die genau unter der steuerfreien Einkommensgrenze liegen.
Der Vorteil: Die oft komplizierten steuerlichen Fallstricke für arbeitende Rentner entfallen. Teilzeitarbeit lohnt sich jetzt finanziell deutlich mehr.
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Mindestlohn und Netto-Vorteil im Doppelpack
Parallel zur „Aktivrente“ gilt seit Jahresbeginn ein höherer Mindestlohn von 13,90 Euro. Das betrifft auch klassische „Silver Ager“-Jobs im Einzelhandel oder in der Logistik. Doch die Kombination aus Mindestlohn und Steuerfreiheit schafft einen einzigartigen Effekt: Bei einem Rentnerjob bleibt von den ersten 2000 Euro monatlich deutlich mehr Netto übrig als bei einem regulären Arbeitnehmer. Personalabteilungen sollten diesen finanziellen Vorteil in ihrer Ansprache der 60-plus-Zielgruppe klar kommunizieren.
Was die Compliance-Abteilung beachten muss
Die neuen Regelungen bringen auch rechtliche Fallstricke mit sich. Die Steuerfreiheit gilt ausschließlich für ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis. Firmen müssen prüfen, ob ein Bewerber sein Kontingent nicht bereits anderweitig ausschöpft. Zudem gilt die Begünstigung nicht für selbstständige oder freiberufliche Tätigkeiten in gleichem Maße.
Ein weiterer wichtiger Punkt: Das Anschlussverbot ist gefallen. Arbeitgeber können einen Mitarbeiter nun nahtlos mit Erreichen der Regelaltersgrenze in einen befristeten Rentnervertrag übernehmen – ohne die bisher obligatorische Karenzzeit. Das erleichtert die Personalplanung erheblich.
Branchen im Fokus und Ausblick
Besonders Branchen mit akutem Fachkräftemangel dürften die neuen Möglichkeiten intensiv nutzen. Die Ingenieurswissenschaften und das Gesundheitswesen werden voraussichtlich Vorreiter sein.
Ob die „Aktivrente“ den demografischen Wandel abfedern kann, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Sie könnte zum Blaupause für künftige arbeitsmarktpolitische Maßnahmen werden. Die unmittelbare Aufgabe für Personalchefs ist jetzt klar: Lohnabrechnungssysteme und Vertragsvorlagen müssen schnellstens an die Regeln von Januar 2026 angepasst werden. Der Wettbewerb um die „Silver Ager“ hat begonnen.
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