Aktivrente bietet Rettungsanker für den Mittelstand – doch die Nachfolgelücke droht
03.01.2026 - 18:33:12Die neue „Aktivrente“ hilft deutschen Mittelständlern beim Wissenstransfer. Doch für über 230.000 Firmen ohne Nachfolgeplan tickt die Uhr unerbittlich.
Berlin/Frankfurt, 3. Januar 2026 – Der deutsche Mittelstand startet mit einem Dilemma ins neue Jahr. Während die lange angekündigte Rentenwelle der Babyboomer ihren Höhepunkt erreicht, tritt gleichzeitig ein neues Gesetz in Kraft. Die sogenannte „Aktivrente“ soll den Wissenstransfer erleichtern. Sie ermöglicht es Ruheständlern, bis zu 2.000 Euro monatlich steuerfrei hinzuzuverdienen. Für Familienunternehmen ist das ein strategisches Werkzeug, um scheidende Chefs oder Schlüsselmitarbeiter als Berater zu binden. Doch reicht das, um die massive Nachfolgekrise abzuwenden?
Seit dem 1. Januar 2026 ist die Aktivrente Realität. Pensionäre können nun bis zu 24.000 Euro jährlich steuerfrei verdienen, zusätzlich zu ihrer vollen Rente. Der Bundesrat hatte die Maßnahme Ende Dezember 2025 beschlossen.
Für Personalplaner im Mittelstand eröffnet das neue Möglichkeiten. Statt eines abrupten Abgangs des Senior-Chefs kann ein „weicher Übergang“ organisiert werden. Der Vorgänger bleibt dem Unternehmen als bezahlter Berater erhalten. Das soll den gefürchteten „Brain Drain“ verhindern – den Verlust von betrieblichem Know-how und Kundenbeziehungen.
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„Die finanzielle Incentive ändert die Kalkulation für viele Unternehmenseigner“, erklärt ein Personalberater. Bislang zögerten sie oft aus Sorge um ihr Einkommen oder aus mangelnder Perspektive. Jetzt kann die Übergabe professionalisiert werden, ohne auf kritische Expertise verzichten zu müssen.
Die Dimension der Krise: 231.000 Firmen in Gefahr
Trotz des neuen Instruments bleiben die Zahlen alarmierend. Laut einer KfW-Studie aus dem Frühjahr 2025 erwogen rund 231.000 kleine und mittlere Unternehmen Ende letzten Jahres die Schließung – mangels Nachfolge. Diese Prognose wird 2026 zur realen wirtschaftlichen Bedrohung.
Die Nachfolgelücke klafft immer weiter auf. Immer mehr Inhaber suchen einen Nachfolger, doch es gibt zu wenige Käufer oder familieninterne Kandidaten. Das Durchschnittsalter der Mittelständler liegt inzwischen bei über 54 Jahren. Die Suche beginnt oft zu spät.
Ein aktuelles Beispiel zeigt die Volatilität des Marktes: Erst am 29. Dezember 2025 wurde bekannt, dass die Wernigeroder MWG-Gruppe den Rheinmünster-Standort der insolventen mbw-Gruppe übernimmt. Der Deal rettete etwa 60 Arbeitsplätze. Doch er unterstreicht die Fragilität. Die mbw-Gruppe war bereits früher in 2025 in Insolvenz gegangen – eine Folge gescheiterter Nachfolgeplanung.
Strategische Fallstricke: Kulturwandel und Loslassen
Die größten Risiken liegen oft jenseits der Zahlen. Es geht um den kulturellen Wandel. Externe Nachfolger – ob Einzelkäufer oder strategische Investoren – stoßen häufig auf Widerstand in der Belegschaft. Diese „Immunreaktion“ kann eine Übernahme auch nach Vertragsunterzeichnung noch scheitern lassen.
„Besonders 2026 ist das Risiko hoch“, warnt ein Unternehmensberater. „Der Arbeitsmarkt ist angespannt. Wichtige Mitarbeiter könnten bei einem holprigen Übergang zur Konkurrenz abwandern.“
Doch auch die Aktivrente birgt eine Gefahr: das Nicht-Loslassen-Können des Vorgängers. Wird die steuerbegünstigte Beraterrolle genutzt, um die neue Führung zu untergraben statt zu unterstützen, schlägt der Vorteil ins Gegenteil um. Klare Regelungen zur Kompetenzabgrenzung sind daher essenziell, um eine lähmende „Schattenregierung“ zu verhindern.
Finanzierung bleibt die große Hürde
Für potenzielle Nachfolger ist die Finanzierung eine weitere Hürde. Die Zinsen haben sich zwar stabilisiert, liegen aber über dem Niveau des vergangenen Jahrzehnts. Die Kapitalkosten für einen Management-Buy-Out (MBO) sind spürbar.
Banken prüfen das „Personenrisiko“ in ihren Bewertungsmodellen heute strenger. Ein Unternehmen, das stark von einer einzigen Gründerpersönlichkeit abhängt, gilt als risikobehaftet. Das drückt die Bewertung oder führt sogar zu Kreditabsagen.
2026: Das Jahr der Entscheidung
Für den deutschen Mittelstand wird 2026 zum „Jahr der Entscheidung“. Die Konstellation aus Aktivrente-Anreiz und Rentenpeak eröffnet ein Zeitfenster. Firmen, die ihre Personalplanung jetzt professionalisieren und die neuen steuerlichen Rahmenbedingungen nutzen, können den Übergang meistern.
Doch für die geschätzten 230.000 Betriebe ohne konkreten Plan tickt die Uhr lauter denn je. Der Markt für Unternehmenskäufe wird zum Käufermarkt. Wer sein Unternehmen nicht auf ein Leben ohne den Gründer vorbereitet, dem bleibt am Ende womöglich nur die Schließung. Die Rettung des Rheinmünster-Standorts durch die MWG-Gruppe zeigt zwar, dass strategische Investoren auch in letzter Minute Werte erhalten können. Auf eine solche Notlösung zu setzen, ist jedoch keine Strategie, die ein verantwortungsvoller Personalplaner akzeptieren sollte.
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