Selenskyjs neue Wege im Krieg gegen Russland
24.06.2025 - 16:43:07Wie viel Ukraine-Hilfe der Nato lĂ€sst US-PrĂ€sident Donald Trump zu? Beim ersten Gipfel des BĂŒndnisses in der zweiten Amtszeit Trumps kann sich der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj wenig Hoffnung auf eine weitere ĂŒppige UnterstĂŒtzung vor allem der USA im Krieg gegen Russland machen.Â
Merz: Deutschland muss «StÀrke und VerlÀsslichkeit» zeigen
Vor dem Nato-Gipfel versicherte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) die Bereitschaft Deutschlands, mehr Verantwortung im BĂŒndnis zu ĂŒbernehmen. In seiner RegierungserklĂ€rung im Bundestag bekrĂ€ftigte er das Ziel, die Bundeswehr zur stĂ€rksten konventionellen Armee Europas machen und die Nato-Ostflanke mit der Stationierung einer Brigade in Litauen stĂ€rken zu wollen. «Deutschland ist wieder zurĂŒck auf der europĂ€ischen und der internationalen BĂŒhne», sagte der Kanzler.Â
Rutte zu Selenskyj: Machen Sie sich keine Sorgen
Dennoch versuchte Nato-GeneralsekretĂ€r Mark Rutte, Selenskyj die Sorgen zu nehmen. Beim Gipfel der 32 Alliierten seien bedeutende Entscheidungen geplant, versicherte der NiederlĂ€nder. Dies baue auf den BeschlĂŒssen des Gipfels im vergangenen Jahr in Washington auf. Dort war festgehalten worden, dass der Weg der Ukraine hin zu einer Nato-Mitgliedschaft unumkehrbar sei. Die BrĂŒcke dahin baue man gerade, sagte Rutte.Â
Allerdings wird das in der AbschlusserklĂ€rung des Den Haager Gipfels wohl nicht erwĂ€hnt werden. Dort heiĂt es nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur lediglich: «Die Alliierten bekrĂ€ftigen ihre dauerhaften souverĂ€nen Verpflichtungen zur UnterstĂŒtzung der Ukraine, deren Sicherheit zu unserer eigenen beitrĂ€gt.»
Gegen eine erneute ErwĂ€hnung der ukrainischen Ambitionen steht der Widerstand Trumps. Dieser hofft noch immer, den am 24. Februar 2022 begonnenen russischen Angriffskrieg auch durch ZugestĂ€ndnisse an Kremlchef Wladimir Putin zu beenden. Eines davon ist, dass die Ukraine fĂŒr einen Waffenstillstand einen Beitritt vorerst aufgeben soll.
Selenskyj: Investiert in unsere RĂŒstungsbetriebe
Selenskyj warb bei Nato-Staaten verstĂ€rkt um Geld fĂŒr den Ausbau der ukrainischen RĂŒstungsindustrie. Vor Gipfelbeginn sprach er von ProduktionskapazitĂ€ten im Umfang von 35 Milliarden US-Dollar (rund 30,4 Milliarden Euro), von denen aber fĂŒr 40 Prozent eine solide Finanzierung fehle.
«Bitte erhöhen Sie Ihre Investitionen in eine gemeinsame Waffenproduktion in der Ukraine und alle von uns hergestellten Waffen sind Teil eines neuen und stÀrkeren europÀischen Systems der Sicherheit und Verteidigung», sagte Selenskyj.
Selenskyj und Trump sehen sich nur bei königlichem EssenÂ
Ebenfalls auf US-Wunsch hin wurde Selenskyj nur zu einem Festessen im Schloss des niederlĂ€ndischen Königs Willem-Alexander und nicht zu einer gemeinsamen Arbeitssitzung zum Gipfel eingeladen. Auch verhinderte Washington eine konkrete Nato-Zusage fĂŒr neue MilitĂ€rhilfen.Â
Beim Gipfel im vergangenen Jahr hatten die Alliierten SicherheitsunterstĂŒtzung im Wert von 40 Milliarden Euro fĂŒr das Jahr versprochen und am Ende sogar rund 50 Milliarden Euro bereitgestellt.
Rutte versuchte am Dienstag, das als unproblematisch darzustellen und verwies darauf, dass Alliierte in diesem Jahr bereits SicherheitsunterstĂŒtzung im Wert von rund 35 Milliarden Euro zugesagt hĂ€tten.Â
Nato-Ziel fĂŒr Verteidigungsausgaben soll auf fĂŒnf Prozent steigen
Am Mittwoch wollen die Mitgliedstaaten beschlieĂen, dass jeder Mitgliedstaat bis 2035 die Verteidigungsausgaben auf fĂŒnf Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) erhöht. Mindestens 3,5 Prozent des BIP soll dabei auf klassische MilitĂ€rausgaben entfallen. Zudem werden Ausgaben fĂŒr die TerrorismusbekĂ€mpfung oder militĂ€risch nutzbare Infrastruktur angerechnet werden können.Â
Kanzler sieht keine Friedensbereitschaft bei Putin
Der Kanzler kritisierte, dass Putin keinerlei Friedensbereitschaft zeige. Er warb erneut fĂŒr eine weitere VerschĂ€rfung der Sanktionen gegen Russland. Er zeigte sich «zuversichtlich», dass auch die US-Regierung diesen Weg mitgeht. «Putin versteht nur die Sprache der StĂ€rke», betonte er.
Merz und Frankreichs PrĂ€sident Emmanuel Macron betonten in einem gemeinsamen Gastbeitrag fĂŒr die «Financial Times» ihre Entschlossenheit, die Freiheit und Sicherheit in Europa zu verteidigen. Die gröĂte Bedrohung fĂŒr Europas StabilitĂ€t gehe von Russland aus, das danach strebe, europĂ€ische LĂ€nder zu destabilisieren und die Weltordnung infrage zu stellen.
Merz verurteilte die jĂŒngsten russischen Luftangriffe auf die Ukraine. «Eine echter, ein dauerhafter Frieden setzt Friedensbereitschaft von allen Seiten voraus», sagte der CDU-Politiker in seiner RegierungserklĂ€rung. «Russland hat dagegen mit seiner neuen Welle der Angriffe auf die ukrainische Zivilbevölkerung auf barbarische Weise zu verstehen gegeben, dass es diese Friedensbereitschaft derzeit nicht hat.»







