USA, Dänemark

Grönland-Konflikt: CDU erwägt WM-Boykott - SPD skeptisch

20.01.2026 - 16:10:54

In der CDU wird für den Fall einer Eskalation um Grönland ein europäischer Boykott der Fußball-WM im Sommer in den USA als Druckmittel gegen US-Präsident Donald Trump für denkbar erachtet."Es braucht schon lange einen klaren und entschlossenen Kurs gegenüber Trump", sagte der CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter auf Anfrage der "Süddeutschen Zeitung".

Beschwichtigung und Unterwürfigkeit seien kontraproduktiv, das werte Trump als Schwäche. "Insofern muss natürlich klar sein, dass Europa nicht an einer Fußball-WM teilnehmen sollte, im Fall, dass Trump seine Ankündigungen und Drohungen in Bezug auf Grönland umsetzt oder einen Handelskrieg mit der EU anzettelt."

Zuvor hatte auch der außenpolitische Sprecher der Unions-Fraktion, Jürgen Hardt, als Ultima Ratio einen Boykott ins Spiel gebracht. Die WM wird vom 11. Juni bis 19. Juli zum größten Teil in den USA stattfinden. Einige Spiele richten Mexiko und Kanada aus, 78 von 104 Partien finden in den USA statt. Erstmals sollen 48 Mannschaften antreten. Im Fußball ist Europa noch eine Macht, es stellt 16 Teilnehmer - ohne Länder wie Frankreich, Spanien, England, Portugal und Deutschland wäre die WM sportlich deutlich entwertet.

Bei der SPD ist man bisher zurückhaltend. "Was Boykottdrohungen im Sport angeht, bin ich generell skeptisch. Man bestraft damit die Fans und die Sportler, der Nutzen ist fragwürdig", sagte der Bundestagsabgeordnete Ralf Stegner der SZ. Generell wäre mehr gemeinsame europäische Konsequenz hilfreich - "nach den politischen Bücklingen wird das aber schwierig". Er nannte namentlich Nato-Chef Mark Rutte und Fifa-Chef Gianni Infantino.

Stegner denkt an eine andere Möglichkeit, um auf Trump zu reagieren: "Vielleicht sollte wirklich ernsthaft über eine Digitalsteuer nachgedacht werden - das betrifft das Geschäft und trifft die reichen Freunde aus den Techkonzernen."

Der außenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Adis Ahmetovic, hält einen WM-Boykott für unsinnig. Man solle lieber die Chance ergreifen, "am Rande des Turniers neue Partnerschaften mit politischen Akteuren und der Zivilgesellschaft zu knüpfen".

Der Deutsche Fußball-Bund wollte sich vorerst auf SZ-Anfrage nicht zu der politischen Debatte äußern. Verwiesen wird hier auch auf die gerade sehr volatile Lage.

@ dts-nachrichtenagentur.de

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