Transatlantik-Koordinator sieht in Bidens RĂŒckzug tiefe ZĂ€sur
22.07.2024 - 06:52:26Eine mögliche Wahlsiegerin Kamala Harris, der bisherigen VizeprĂ€sidentin, wĂŒrde nach Ansicht Links "eng mit der Nato, der EU und Deutschland verbunden" sein, aber sicherlich "ihre eigenen Akzente setzen". Die Leiterin der Forschungsgruppe Amerika bei der Stiftung Wissenschaft und Politik, Laura von Daniels, glaubt unterdessen, dass nach dem Verzicht von Biden auf eine erneute Kandidatur fĂŒr das PrĂ€sidentenamt noch Chancen bestehen, Donald Trump zu schlagen. "Das ist ein gutes Zeichen", sagte sie dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland" zu Bidens RĂŒckzug. "Joe Biden hat der Demokratischen Partei den Weg geebnet, um erneut Chancen im PrĂ€sidentschaftswahlkampf zu gewinnen." Der Verzicht komme "gerade noch rechtzeitig, wenn sich die Demokraten jetzt schnell auf ein neues FĂŒhrungsduo einigen". Von Daniels fĂŒgte hinzu, Kamala Harris als PrĂ€sidentschaftskandidatin und die Gouverneurin von Michigan, Gretchen Whitmer, als VizeprĂ€sidentschaftskandidatin "wĂ€ren eine mutige Wahl und ein eindeutiges Kontrast-Programm zu Donald Trump und J.D. Vance". Damit wĂŒrden die Chancen bei unentschiedenen WĂ€hlern steigen. Jeder Streit senke hingegen die Chancen. "Jeder Tag muss jetzt ein Wahlkampftag gegen Donald Trump und J.D. Vance sein - und nicht gegen die eigene Partei." Die Union zollt dem US-PrĂ€sidenten derweil Respekt. Der auĂenpolitische Sprecher der Bundestagsfraktion, JĂŒrgen Hardt (CDU), sagte der "Rheinischen Post" (Montagsausgabe): "PrĂ€sident Bidens Entscheidung zum Verzicht auf eine erneute Kandidatur erforderte viel Mut. Er hat damit wie in den dreieinhalb Jahren seiner Amtszeit FĂŒhrung bewiesen." Hardt ergĂ€nzte: "Ich fĂŒrchte, dass damit eine neue Diskussion eröffnet wird, ob er denn ĂŒberhaupt noch in der Lage sei, das PrĂ€sidentenamt fĂŒr die nĂ€chsten sechs Monate wahrzunehmen." Ein RĂŒcktritt als PrĂ€sident wĂŒrde sofort Kamala Harris ins WeiĂe Haus bringen. "Das könnte ein groĂer Vorteil im Wahlkampf sein." FĂŒr Deutschland und die EU gelte nun: "Wir mĂŒssen mit jedem nĂ€chsten US-PrĂ€sidenten nicht nur zurechtkommen, sondern die transatlantische Partnerschaft angesichts der russischen Aggression noch vertiefen", sagte Hardt. Die Europapolitikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann sieht wieder Chancen fĂŒr die Demokraten. "Noch können die Demokraten die Wahl fĂŒr sich entscheiden", sagte Strack-Zimmermann der "Rheinischen Post" (Montagsausgabe). Die FDP-Politikerin ergĂ€nzte: "Joe Biden ist ein ĂŒberzeugter Transatlantiker und hat in diesen krisenhaften Jahren und angesichts der Aggression Wladimir Putins fest an der Seite Europas gestanden." Dass Biden seine Kandidatur nun aufgebe, "ist klug, auch wenn es ihm natĂŒrlich schwerfallen muss". Klar sei aber, "dass egal, wer der neue PrĂ€sident der Vereinigten Staaten sein wird, Europa jetzt gefordert ist". Sowohl wirtschaftlich als auch sicherheitspolitisch, sagte Strack-Zimmermann.


