Lebenslange Haft für Attentat auf Japans Ex-Premier Abe
21.01.2026 - 06:06:59Dreieinhalb Jahre nach dem tödlichen Anschlag auf den japanischen Ex-Regierungschef Shinzo Abe ist der Attentäter zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden. Das zuständige Bezirksgericht in Nara folgte mit dem Urteil der Forderung der Staatsanwaltschaft. Der heute 45 Jahre alte Yamagami war gleich nach dem Attentat vor laufenden Kameras überwältigt und festgenommen worden. Er hatte Japans am längsten amtierenden Ministerpräsidenten der Nachkriegszeit mit einer selbstgebauten Schusswaffe bei einer Wahlkampfrede in Nara auf offener Straße erschossen.
Er habe aus Hass auf die umstrittene Vereinigungskirche gehandelt, hatte Yamagami während seines aufsehenerregenden Gerichtsprozesses Medienberichten zufolge ausgesagt. Seine Mutter sei der religiösen Organisation verfallen und habe ihr hohe Summen gespendet, was die Familie zerrüttet und in den finanziellen Ruin getrieben habe. Abe sei für ihn zum Ziel geworden, weil er in dem erzkonservativen früheren Ministerpräsidenten die zentrale Figur in der Verbindung zwischen der Sekte und Japans Politik sah. Abes gewaltsamer Tod im Juli 2022 hatte weltweit für Entsetzen gesorgt.
Politische Sekten-Verbindungen im Rampenlicht
In der Folge des Attentats auf Abe waren die jahrzehntelangen Verbindungen zwischen der als Mun-Sekte bekannten Vereinigungskirche und Mitgliedern der regierenden Liberaldemokratischen Partei (LDP), deren Chef Abe war, ins Rampenlicht geraten. Abes Großvater, Ex-Premier Nobusuke Kishi, hatte laut Medienberichten die 1954 in Südkorea von dem überzeugten Anti-Kommunisten San Myung Mun gegründete Organisation in Japan eingeführt. Abe selbst sprach demnach bei einem Event in Verbindung mit der Sekte.
Die Verteidigung hatte beantragt, die Haftstrafe für Yamagami auf höchstens 20 Jahre zu begrenzen. Er sei Opfer einer religiösen Gruppe geworden. Die «tragischen» Umstände seines Heranwachsens hätten ihn zu der Tat getrieben. Er verdiene eine Chance auf Wiedereingliederung in die Gesellschaft, hieß es.
Die Staatsanwaltschaft hatte das Attentat dagegen als «außergewöhnlich bösartig» und «beispiellos in der Nachkriegsgeschichte des Landes» bezeichnet. Die frühe Lebensgeschichte des Angeklagten habe nur einen geringen Einfluss auf den Fall gehabt. Yamagami habe Abe vielmehr deswegen erschossen, um die Schäden, die die Sekte anrichtete, öffentlich zu machen.
Sympathiebekundungen für Attentäter
Der Fall löste heftige Kritik an den aggressiven Spendensammelmethoden der Sekte aus und warf ein Schlaglicht auf die Notlage der Kinder von Anhängern der Sekte. Die Spenden von Yamagamis Mutter an die Sekte sollen sich laut Medienberichten auf rund 100 Millionen Yen belaufen haben, umgerechnet rund 540.000 Euro. Als sich sein älterer Bruder 2015 das Leben nahm, habe er beschlossen, Rache zu nehmen, zitierten örtliche Medien Yamagami weiter.
Viele Menschen zeigten Mitgefühl für den Angeklagten und schickten ihm laut Medienberichten Geschenke und Bargeld ins Gefängnis. Mancher sehe in ihm gar einen Helden, hieß es. In einer Petition hatten Tausende Menschen demnach das Bezirksgericht in Nara um Milde bei der Verurteilung Yamagamis gebeten. Zur Urteilsverkündung hatten sich rund 700 Menschen vor dem Gericht angestellt, um einen der 31 öffentlichen Plätze im Saal zu ergattern.
Abes gewaltsamer Tod in einem der sichersten Länder der Welt hatte im In- und Ausland Fassungslosigkeit ausgelöst. Der zur Tatzeit 67-Jährige war einer der mächtigsten und international profiliertesten Politiker seines Landes. Abe regierte von Dezember 2012 bis September 2020, stärkte Japans Rolle auf der internationalen Bühne und trat für Multilateralismus ein. Innenpolitisch sorgte er mit seiner nationalistischen Agenda aber auch für Kontroversen und Skandale. Unter ihm rückte Japan nach Ansicht von Kritikern deutlich nach rechts.
Yamagami hatte nach seiner Festnahme Medienberichten zufolge in seinem Verhör verneint, aus Groll über dessen politische Überzeugungen gehandelt zu haben. Ursprünglich habe er es auch gar nicht auf den Politiker abgesehen gehabt, sondern auf einen Anführer der Mun-Sekte, hatte es damals geheißen. Im März vergangenen Jahres entzog das Bezirksgericht Tokio der Organisation den Steuerbefreiungsstatus als religiöse Körperschaft. Voraussichtlich bis März wird mit der Entscheidung über eine eingereichte Berufungsklage gerechnet.











